
Weitere Informationen Hand- und Handgelenkchirurgie
Wissenswertes zu den verschiedenen Erkrankungen an Hand und Handgelenk
Beschwerden an Hand und Handgelenk gezielt behandeln
Das Handgelenk ist kein einzelnes Gelenk. Es besteht aus einem komplexen Zusammenspiel von Speiche, Elle und acht Handwurzelknochen. Zahlreiche Bänder stabilisieren diese Knochen gegeneinander. Hinzu kommen Sehnen, Muskeln, Nerven und Knorpelstrukturen.
Diese komplexe Anatomie ermöglicht die große Beweglichkeit und Belastbarkeit unserer Hand. Gleichzeitig können dadurch sehr unterschiedliche Erkrankungen Schmerzen im Handgelenk verursachen.
Karpaltunnelsyndrom – wenn die Finger einschlafen
Was ist ein Karpaltunnelsyndrom?
Beim Karpaltunnelsyndrom wird der Mittelnerv – der Nervus medianus – im Bereich des Handgelenks eingeengt.
Dieser Nerv verläuft gemeinsam mit mehreren Beugesehnen durch einen engen Kanal an der Handwurzel. Steigt der Druck innerhalb dieses Karpaltunnels, kann die Funktion des Nervs beeinträchtigt werden.
Typische Beschwerden sind:
• Kribbeln und Taubheitsgefühl
• Einschlafen von Daumen, Zeige- und Mittelfinger
• nächtliche Beschwerden
• Schmerzen in Hand und Unterarm
• häufiges Ausschütteln der Hand
• Schwierigkeiten bei feinmotorischen Tätigkeiten
• bei fortgeschrittener Erkrankung Kraftverlust des Daumens
Wie wird ein Karpaltunnelsyndrom behandelt?
Bei leichteren Beschwerden können zunächst konservative Maßnahmen sinnvoll sein:
• nächtliche Handgelenkschiene
• Anpassung belastender Tätigkeiten
• gegebenenfalls gezielte Infiltration
Zur Sicherung der Diagnose und zur Beurteilung des Schweregrades kann eine neurologische Untersuchung mit Messung der Nervenleitgeschwindigkeit erfolgen.
Bei ausgeprägten oder zunehmenden Gefühlsstörungen, Kraftverlust oder nachgewiesener Nervenschädigung kann eine operative Karpaltunnelspaltung sinnvoll sein.
Dabei wird das Band über dem Karpaltunnel durchtrennt. Der eingeengte Nerv erhält dadurch wieder mehr Platz.
TFCC-Verletzung – Schmerzen auf der Kleinfingerseite
Was ist eine TFCC-Verletzung?
Der TFCC – Trianguläre Fibrocartilaginäre Komplex – ist eine wichtige Knorpel-Band-Struktur auf der Kleinfingerseite des Handgelenks.
Er trägt zur Stabilität zwischen Elle und Speiche bei und übernimmt einen Teil der Kraftübertragung im Handgelenk.
Eine TFCC-Verletzung kann nach einem Sturz, einer kräftigen Drehbewegung oder wiederholter Belastung entstehen. Daneben gibt es verschleißbedingte Veränderungen.
Typische Beschwerden sind:
• Schmerzen auf der Kleinfingerseite des Handgelenks
• Schmerzen bei Drehbewegungen
• Beschwerden beim Abstützen
• Schmerzen beim kräftigen Greifen
• Klicken oder Schnappen
• gelegentlich Instabilitätsgefühl
Wie wird eine TFCC-Verletzung behandelt?
Nicht jeder TFCC-Schaden muss operiert werden.
Bei stabilen Verletzungen können zunächst sinnvoll sein:
• Belastungsanpassung
• vorübergehende Ruhigstellung
• Handgelenksorthese
• Physiotherapie
• Schmerztherapie
• gegebenenfalls Infiltrationen
Bei anhaltenden Beschwerden oder einer relevanten Instabilität können weiterführende operative Verfahren erforderlich sein.
Welche Behandlung geeignet ist, hängt von Art und Lage der Verletzung, der Stabilität des Handgelenks und den individuellen Beschwerden ab.
Ganglion – Überbein am Handgelenk
Was ist ein Ganglion?
Ein Ganglion, umgangssprachlich häufig „Überbein“ genannt, ist eine mit gallertartiger Flüssigkeit gefüllte Ausstülpung, die meist von einem Gelenk oder einer Sehnenscheide ausgeht.
Ganglien treten besonders häufig am Handgelenk auf. Sie können auf der Streck- oder Beugeseite liegen und ihre Größe im Verlauf verändern.
Typische Beschwerden sind:
• sichtbare oder tastbare Vorwölbung
• Druckgefühl
• Schmerzen bei bestimmten Bewegungen
• Beschwerden beim Abstützen
• gelegentlich Bewegungseinschränkung
Viele Ganglien verursachen überhaupt keine Beschwerden.
Wie wird ein Ganglion behandelt?
Beschwerdefreie Ganglien müssen in der Regel nicht behandelt werden.
Verursacht ein Ganglion Schmerzen oder funktionelle Einschränkungen, kann eine operative Entfernung sinnvoll sein.
Dabei wird das Ganglion einschließlich seiner Verbindung zum Gelenk oder zur Sehnenscheide möglichst vollständig entfernt. Trotz sorgfältiger Operation kann ein Ganglion erneut auftreten.
Sehnenscheidenentzündung de Quervain – Schmerzen auf der Daumenseite
Was ist eine Sehnenscheidenentzündung de Quervain
Bei der Tendovaginitis de Quervain sind Sehnen betroffen, die auf der Daumenseite des Handgelenks durch einen engen Sehnenkanal verlaufen.
Durch Reizung und Verdickung können die Sehnen nicht mehr ungehindert gleiten. Dies führt insbesondere bei Bewegungen des Daumens und Handgelenks zu Schmerzen.
Typische Beschwerden sind:
• Schmerzen auf der Daumenseite des Handgelenks
• Schmerzen beim Greifen
• Beschwerden beim Heben und Tragen
• Schmerzen bei Daumenbewegungen
• Druckschmerz über dem Sehnenfach
• gelegentlich Schwellung
Wie wird eine Tendovaginitis de Quervain behandelt?
Zunächst erfolgt meist eine konservative Behandlung.
Möglich sind:
• Anpassung der Belastung
• zeitweise Ruhigstellung mit einer Daumenorthese
• Schmerztherapie
• Physiotherapie
• gegebenenfalls gezielte Infiltration
Bei anhaltenden Beschwerden trotz konsequenter konservativer Behandlung kann eine operative Erweiterung des betroffenen Sehnenfachs sinnvoll sein.
Dadurch erhalten die Sehnen wieder ausreichend Raum zum Gleiten.
Skapholunäre Bandverletzung – Instabilität der Handwurzel
Was ist eine Skapholunäre Bandverletzung?
Das skapholunäre Band verbindet zwei wichtige Handwurzelknochen miteinander: das Kahnbein – Skaphoid – und das Mondbein – Lunatum.
Dieses Band spielt eine wesentliche Rolle für die koordinierte Bewegung und Stabilität der Handwurzel.
Eine Verletzung entsteht häufig durch einen Sturz auf die ausgestreckte Hand. Abhängig vom Ausmaß der Schädigung kann sich eine zunehmende Instabilität zwischen den Handwurzelknochen entwickeln.
Typische Beschwerden sind:
• Schmerzen auf der Rückseite des Handgelenks
• Beschwerden beim Abstützen
• Schmerzen bei Belastung
• Kraftverlust
• Klicken oder Schnappen
• Instabilitätsgefühl
Wie wird eine skapholunäre Bandverletzung behandelt?
Die Behandlung hängt wesentlich davon ab, ob das Band nur teilweise oder vollständig verletzt ist und ob bereits eine Instabilität besteht.
Leichtere und stabile Verletzungen können zunächst mit Ruhigstellung und anschließender funktioneller Behandlung therapiert werden.
Bei vollständigen Bandverletzungen oder relevanter Instabilität können operative Verfahren erforderlich sein.
Je nach Befund kommen beispielsweise eine Bandnaht, eine Rekonstruktion oder andere stabilisierende Verfahren infrage.
Eine unbehandelte höhergradige Instabilität kann langfristig zu einem zunehmenden Verschleiß und damit zu einer Handgelenksarthrose führen.
Handgelenksarthrose – Verschleiß des Handgelenks
Was ist eine Handgelenksarthrose?
Bei einer Handgelenksarthrose wird der Gelenkknorpel zunehmend geschädigt.
Anders als an Hüfte oder Knie entsteht eine Arthrose des Handgelenks häufig als Folge früherer Verletzungen. Dazu gehören insbesondere Bandverletzungen, Instabilitäten sowie nicht oder ungünstig verheilte Frakturen.
Typische Beschwerden sind:
• Belastungsschmerzen
• Schmerzen beim Abstützen
• Kraftverlust
• zunehmende Bewegungseinschränkung
• Schwellung
• Reiben oder Knirschen
Wie wird eine Handgelenksarthrose behandelt?
Im frühen Stadium stehen konservative Maßnahmen im Vordergrund:
• Belastungsanpassung
• Handgelenksorthese
• Physiotherapie oder Ergotherapie
• Erhalt der Beweglichkeit
• Schmerztherapie
• gegebenenfalls Infiltrationen
Bei fortgeschrittener Arthrose und erheblichen Beschwerden stehen verschiedene operative Möglichkeiten zur Verfügung.
Welche Operation sinnvoll ist, hängt wesentlich davon ab, welche Bereiche des Handgelenks betroffen sind und welche Gelenkabschnitte noch erhalten werden können.
Ziel ist, wenn möglich, Beweglichkeit zu erhalten und gleichzeitig Schmerzen zu reduzieren.
Hierfür stehen unterschiedliche gelenkerhaltende, teilversteifende und versteifende Verfahren zur Verfügung.
Bei sehr ausgeprägter Arthrose kann in ausgewählten Fällen auch ein künstlicher Gelenkersatz erwogen werden.
Daumensattelgelenksarthrose – Rhizarthrose
Was ist eine Daumensattelgelenksarthrose – Rhizarthrose?
Die Rhizarthrose ist eine Arthrose des Daumensattelgelenks. Sie gehört zu den häufigsten Arthrosen der Hand.
Das Daumensattelgelenk ist für die besondere Beweglichkeit des Daumens verantwortlich und wird bei nahezu jeder Greifbewegung belastet.
Typische Beschwerden sind:
• Schmerzen an der Daumenbasis
• Schmerzen beim kräftigen Greifen
• Beschwerden beim Öffnen von Flaschen oder Gläsern
• Schmerzen beim Schlüsselgriff
• nachlassende Greifkraft
• zunehmende Bewegungseinschränkung
• im fortgeschrittenen Stadium sichtbare Fehlstellung
Wie wird eine Rhizarthrose behandelt?
Im frühen und mittleren Stadium können häufig konservative Maßnahmen die Beschwerden reduzieren:
• Belastungsanpassung
• Daumenorthese
• Physiotherapie oder Ergotherapie
• Schmerztherapie
• gegebenenfalls Infiltrationen
Bei anhaltenden erheblichen Beschwerden können operative Verfahren sinnvoll werden.
Dabei stehen verschiedene Operationsmethoden zur Verfügung. Welches Verfahren geeignet ist, richtet sich nach Beschwerden, Arthrosestadium, Alter und funktionellen Anforderungen.
Kahnbeinfraktur – häufig unterschätzte Verletzung
Was ist eine Kahnbeinfraktur?
Das Kahnbein oder Skaphoid ist einer der wichtigsten Handwurzelknochen.
Eine Kahnbeinfraktur entsteht häufig bei einem Sturz auf die ausgestreckte Hand. Die Beschwerden können zunächst vergleichsweise gering sein, sodass die Verletzung gelegentlich unterschätzt wird.
Typische Beschwerden sind:
• Schmerzen auf der Daumenseite des Handgelenks
• Druckschmerz im Bereich der Daumenbasis
• Schmerzen beim Abstützen
• Beschwerden beim kräftigen Greifen
• Schmerzen nach einem Sturz auf die Hand
Eine Kahnbeinfraktur ist im ersten Röntgenbild nicht immer sicher zu erkennen. Besteht aufgrund des Unfallmechanismus und der Untersuchung weiterhin der Verdacht auf eine Fraktur, kann deshalb eine weiterführende Bildgebung erforderlich sein.
Wie wird eine Kahnbeinfraktur behandelt?
Die Behandlung hängt von Lage, Verlauf und Stabilität des Bruchs ab.
Stabile und nicht verschobene Frakturen können abhängig von ihrer Lage konservativ mit einer Ruhigstellung behandelt werden.
Bei verschobenen oder instabilen Frakturen kann eine operative Stabilisierung mit einer Schraube erforderlich sein.
Eine sichere Knochenheilung ist besonders wichtig. Heilt das Kahnbein nicht aus, kann eine Kahnbeinpseudarthrose entstehen. Diese kann langfristig zu Instabilität, Schmerzen und Arthrose des Handgelenks führen.
Speichenbruch – distale Radiusfraktur
Was ist ein Speichenbruch bzw. eine distale Radiusfraktur?
Die distale Radiusfraktur, häufig als Speichenbruch oder Handgelenksbruch bezeichnet, gehört zu den häufigsten Knochenbrüchen.
Typischer Unfallmechanismus ist ein Sturz auf die ausgestreckte Hand.
Typische Beschwerden sind:
• Schmerzen
• Schwellung
• Bluterguss
• eingeschränkte Beweglichkeit
• Schmerzen beim Bewegen der Finger oder des Handgelenks
• gelegentlich sichtbare Fehlstellung
Wie wird eine distale Radiusfraktur behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach Stellung und Stabilität der Fraktur, einer möglichen Beteiligung der Gelenkfläche sowie nach den individuellen Anforderungen des Patienten.
Stabile und gut stehende Frakturen können häufig mit einer Schiene oder einem Gips behandelt werden.
Bei instabilen, deutlich verschobenen oder gelenkbeteiligenden Frakturen kann eine operative Stabilisierung erforderlich sein.
Häufig erfolgt diese mit einer winkelstabilen Platte.
Ziel ist eine möglichst genaue Wiederherstellung der Gelenkfläche und der anatomischen Verhältnisse, damit Beweglichkeit, Kraft und Funktion des Handgelenks bestmöglich erhalten bleiben.
Folgen früherer Frakturen und Verletzungen
Welche Folgen können frühere Frakturen und Verletzungen an Hand und Handgelenk haben?
Nicht alle Beschwerden des Handgelenks treten unmittelbar nach einer Verletzung auf.
Auch Jahre nach einem Bruch oder einer Bandverletzung können Schmerzen, Bewegungseinschränkungen oder Kraftverlust entstehen.
Mögliche Ursachen sind:
• Fehlstellungen nach Frakturen
• nicht verheilte Frakturen oder Pseudarthrosen
• chronische Bandinstabilitäten
• Knorpelschäden
• posttraumatische Arthrose
• Bewegungseinschränkungen
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Ausmaß der funktionellen Beeinträchtigung.
Neben konservativen Maßnahmen können bei ausgeprägten Beschwerden korrigierende, stabilisierende oder gelenkerhaltende Operationen sinnvoll sein.
Sport- und Überlastungsschäden des Handgelenks
Welche Sport- und Überlastungsschäden des Handgelenks können vorkommen?
Das Handgelenk ist bei vielen Sportarten hohen Belastungen ausgesetzt. Besonders bei Stütz-, Schlag-, Ball- und Kraftsportarten können akute Verletzungen oder chronische Überlastungsschäden entstehen.
Dazu gehören beispielsweise:
• Bandverletzungen
• TFCC-Verletzungen
• Sehnenreizungen
• Knorpelschäden
• Frakturen
• Instabilitäten
Nicht jede Sportverletzung muss operiert werden.
Entscheidend ist eine genaue Diagnose. Anschließend kann die Belastung angepasst und ein gezielter Aufbau von Beweglichkeit, Kraft und Stabilität erfolgen.
Bei relevanten strukturellen Verletzungen oder anhaltender Instabilität können operative Verfahren erforderlich sein.
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Unser Team der Orthopädie & Unfallchirurgie
Chefarzt Dr. med. Jörg-Uwe Schulz (2.v.l.) mit seinem Team: Dr. med. Claus Eiermann, Hassan Alani, Alaa Bahbouh (v. l. n. r.)
E-Mail: orthopaedie@krankenhaus-eitorf.de
Telefon: 02243 – 881 – 1620